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Gear-Test

Zerno Z1 mit SSP MP V2: mein Espressomühlen-Endgame

5 Min. Lesezeit

Vom Niche Zero zur Zerno Z1 mit SSP-Multipurpose-V2-Scheiben. Warum ich für helle Röstungen auf Flat Burrs umgestiegen bin, wie einfach der Scheibenwechsel ist – und der einzige Punkt, der mich stört.

Teil 3 und Abschluss meiner Reihe übers Espresso-Setup. Davor: elektrischer WDT und PuqPress Mini V5.

Kommen wir zum Herzstück: der Mühle. Ich nutze aktuell die Zerno Z1, das erste Mühlenmodell der Marke.

Warum weg vom Niche Zero?

Davor hatte ich den klassischen Niche Zero – auch in Weiß – und ich habe ihn wirklich geliebt. Ich wollte aber weg von den Kegelmahlwerken (Conical Burrs) hin zu den Flat Burrs der Zerno. Der Grund: Ich trinke am liebsten helle Röstungen, und die kommen auf dem Kegelmahlwerk einfach nicht so klar und differenziert heraus wie auf einem Flachmahlwerk.

Filterkaffee interessiert mich dabei ehrlich gesagt kaum – aber das Wechseln der Mahlscheiben hat mich sehr gereizt, und genau das kann die Zerno richtig gut.

Zerno Z1 Espressomühle
Die Zerno Z1 – schwer, wertig, und mit tauschbaren Flat Burrs.

Was die Zerno Z1 technisch kann

Bevor es um mein Erlebnis geht, kurz die harten Fakten – denn die Z1 ist technisch ein ziemlich durchdachtes Gerät:

  • 64-mm-Flachmahlwerk, vertikal ausgerichtet. Ab Werk laufen bei mir die SSP Multipurpose V2. Das Mahlwerk lässt sich mit einem Schraubendreher tauschen – dazu unten mehr.
  • 300-W-Motor mit konstanten ~900 U/min. Die niedrige, gleichbleibende Drehzahl hält das Mahlgut kühl und reduziert Feinstanteil (Fines).
  • Stufenlose Verstellung über den kompletten Bereich von 0–1400 µm. Damit deckt die Z1 alles ab: von feinem Espresso (bei mir 100–200 µm) bis grob für French Press oder Filter.
  • Single Dosing mit ~50 g Bohnenkapazität im Trichter – man wiegt also pro Shot ein und mahlt komplett durch.
  • Vorbrecher- und Auger-System (Feed). Eine langsame Förderschnecke führt die Bohnen kontrolliert ins Mahlwerk und bricht sie vor – das sorgt für einen gleichmäßigeren Mahlvorgang und weniger Belastung des Motors.
  • Rund 6,5 kg schwer. Die Masse killt Vibrationen, die Mühle steht wie angewurzelt.
  • Weltweit einsetzbar (100–120 V oder 220–240 V).

Für mich ist die Kombination aus stufenloser µm-Skala und tauschbarem 64-mm-Mahlwerk das Entscheidende: Es ist eine Mühle, die man an den eigenen Geschmack anpasst, statt sich anzupassen.

Aufbau und erster Eindruck

Ich musste, glaube ich, über fünf Monate auf die Auslieferung warten – für die frühe Z1-Produktion war das damals realistisch (inzwischen sind die Lieferzeiten deutlich kürzer). Als sie dann da war, ging der Aufbau problemlos: Die Scheiben waren ab Werk bereits korrekt zueinander ausgerichtet, ich musste nur prüfen, ob alles passt – und es passte.

Der Verstellknopf ist super. Er hat gute Markierungen, dadurch lässt sich der Mahlgrad sehr leicht und wiederholbar einstellen. Bei mir liegt das meist zwischen 100 und 200 µm (Mikrometer). Der Totraum (Dead Space) liegt bei mir bei rund 0,1 g – also vernachlässigbar.

Zerno Z1 beim Mahlen in den Auffangbehälter
Single Dosing in den Auffangbehälter – funktioniert richtig gut.

Was mich stört

Der einzige echte Kritikpunkt: Die Zerno hat keinen Blower oder Knocker am Auswurf, so wie es die Timemore-Sculptor-Mühlen mit ihrem drehbaren Knocker haben. Der klopft den Restkaffee aus dem Mahlwerk, damit nichts verstopft. Bei der Zerno mache ich das anders – ich haue mit der flachen Hand oben auf den Trichter, dann fällt der Rest raus. Der Auswurf (die Chute) verstopft nämlich manchmal leicht.

Flachmahlwerk vs. Kegelmahlwerk – und die SSP MP V2

Kurz zum Hintergrund, warum die Scheiben für mich so wichtig sind: Kegelmahlwerke (wie im Niche Zero) erzeugen tendenziell eine breitere Partikelverteilung. Das gibt viel Körper und Süße, verwischt aber feine, klare Aromen – bei dunkleren Röstungen top, bei hellen eher nicht. Flachmahlwerke mahlen gleichmäßiger (engere Verteilung) und bringen dadurch mehr Klarheit und Trennschärfe in die Tasse – genau das, was helle, fruchtige Röstungen brauchen.

Die SSP Multipurpose V2 sind dabei so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau unter den 64-mm-Scheiben: Sie sind bewusst als Allrounder ausgelegt und liefern sowohl für Espresso als auch für Filter eine saubere, klare Tasse mit betonten Fruchtnoten. Für jemanden wie mich, der helle Röstungen liebt, ist das die ideale Werkskonfiguration.

Was ich liebe

Als Single-Dosing-Mühle ist sie großartig. Der Auffangbehälter, in den man mahlt, ist super gelöst. Und das Beste: Der Scheibenwechsel ist fast werkzeuglos – nur mit einem Schraubendreher. Ich habe die Scheiben schon einmal für Filterkaffee getauscht, das klappt hervorragend. Weil die Z1 ab Werk exakt ausgerichtet ist und die Scheibenaufnahme sauberes Zentrieren erlaubt, muss man nach dem Tausch nicht stundenlang neu justieren.

Die Mühle ist generell sehr gut verarbeitet, richtig schwer (~6,5 kg), und eine Drehzahlregelung vermisse ich nicht – die konstanten ~900 U/min passen für meinen Anwendungsfall perfekt.

Pro

  • Flat Burrs – helle Röstungen kommen deutlich klarer heraus
  • Scheibenwechsel fast werkzeuglos, nur ein Schraubendreher nötig
  • Ab Werk korrekt ausgerichtet
  • Verstellknopf mit klaren, wiederholbaren Markierungen
  • Nur ca. 0,1 g Totraum – top fürs Single Dosing
  • Sehr wertig und schwer verarbeitet

Contra

  • Kein Knocker/Blower – Chute verstopft manchmal leicht
  • Etwas langsam beim Mahlen
  • Lange Lieferzeit (bei mir ca. 5 Monate)

Fazit

Zerno Z1 mit SSP Multipurpose V2

Premium-Segment · Flat-Burr-Mühle

Fazit

Für mich ist die Zerno Z1 mit den SSP MP V2 mein Endgame bei den Espressomühlen. Die klare Tasse bei hellen Röstungen und der geniale Scheibenwechsel wiegen die kleinen Schwächen locker auf – ich hätte nur gern einen Knocker an der Chute.

Damit schließt sich meine Setup-Reihe: Verteilen, Tampen und Mahlen. Die passenden Bohnen dazu findet ihr bei den Röstereien in eurer Nähe.